Die Geschichte der Gasversorgung in Görlitz

Am 19. Juni 1852 beschlossen die städtischen Behörden, eine Steinkohlengasanstalt zu errichten. Die Konzessionserteilung der königlichen Regierung zu Liegnitz erfolgte am 7.Juni 1853. Somit wurde Eigentümerin der Gasanstalt die „Stadt-Kommune“.

Am 6. November 1854 erfolgte die Inbetriebnahme der ersten Görlitzer Gasanstalt auf dem Gelände der Lunitz. Schon im Jahr 1856 ereignete sich die erste Erweiterung der Anlage und es folgte ein Ausbau der Ofenanlage im Jahr 1867.

Der Gasbedarf erreichte die Produktionsgrenze des Werkes und der Standort langte für eine Erweiterung des Gaswerkes nicht mehr aus.

Ein größeres Gaswerk in Hennersdorf, nahe der städtischen Kohlegrube, östlich der Neiße, wurde errichtet.

Im Jahre 1905 erfolgte die Außerbetriebnahme des Gaswerkes an der Lunitz (Werk I) und die Inbetriebnahme des neuen Gaswerkes (Werk II).

Durch die Oberschlesische Ferngas AG wurde 1942 eine Hochdruckleitung von Bunzlau bis Görlitz in das neu errichtete Reglerhaus auf der Nieskyer Straße verlängert, da der Gasverbrauch durch Handwerk und Industrie sprunghaft anstieg.

Am 8. Mai 1945 gegen 13Uhr wurde die Stadt kampflos übergeben und von der Roten Armee besetzt.

Die Gaslieferung aus dem Werk II war tags zuvor eingestellt worden, da am 7. Mai mittags alle Brücken über der Neiße gesprengt wurden. Das Werk II wurde auch besetzt, wobei die deutschen Arbeiter des Werkes zunächst an der Arbeit gehindert wurden.

Die Neiße wurde die Grenze Deutschland / Polen, wie es in Jalta und Potsdam im Jahre 1945 die Siegermächte festgelegt hatten.

Das Gaswerk lag in Polen und auch die FGL nach Bunzlau.
Görlitz blieb ein Jahr ohne Gas. Erst ab 6. April 1946 versorgte Waldenburg die Stadt wieder über Ferngasleitung.

Dreieinhalb Jahre später, am 1. Oktober 1949, nach Überwindung unendlicher Formalitäten, lieferte das Werk II in Hennersdorf wieder Gas über die Neiße.

1966 wurde die Lieferung von Gas über die Fernleitung aus Waldenburg eingestellt. Zukünftig lieferte das Gaskombinat „Schwarze Pumpe“ das Stadtgas für Görlitz.

1968 entstand in der Martin-Ephraim-Straße eine Übernahmereglerstation zur Versorgung des Neubaugebietes. Am 30.06.1972 wurde letztmalig Gas aus Polen bezogen und die vorhandene Leitung wurde getrennt.

Durch den Bau einer Hochdruckleitung von Weinhübel zu einer neuen Regleranlage auf der Reuterstraße konnte erstmals ein Verbund zu der Regleranlage Nieskyer Straße im Norden von Görlitz geschaffen werden.

1973 wurde eine Mitteldruckleitung von der Reuterstraße nach Rauschwalde gebaut und dort an die bestehende Mitteldruckstation auf der Reichenbacher Straße angeschlossen.

Zur Versorgung der Neubaugebiete in Rauschwalde mit Gasheizungen wurde 1975 eine Regleranlage auf der Paul-Taubadel-Straße gebaut.

Das Neubaugebiet in Königshufen, Bautyp IW 64, wurde 1979 erschlossen.

Am 25. Mai 1992 wurde die Gasversorgung Görlitz GmbH (GVG) als Dienstleistungsunternehmen gegründet. Die Gesellschaft gehörte zu 62,5 Prozent der hundertprozentigen Stadttochter, den Görlitzer Stadtwerken (SWG) und zu 37,5 Prozent der Rheinischen Energie Aktiengesellschaft „rhenag“. Damit bekundete Görlitz seinen Anspruch, die Gasversorgung von dem Kombinatsnachfolger GASO Dresden wieder in kommunale Verantwortung zu übernehmen.

Bereits 1993 führte die Gasversorgung ihr erstes volles Wirtschaftsjahr durch.

Am 1. Januar 1993 versorgte Görlitz die Gasversorgung Sachsen Ost GmbH (Gaso) mit Gas.

Mit der Erdgasbereitstellung durch den Vorlieferanten Gaso konnte am 4. Januar 1993 der Startschuss für die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas gegeben werden. Mit einem rasanten Tempo wurde im Juni 1993 die Erdgasumstellung abgeschlossen.

Am 21. Juni 1994 ereignete sich eine erste Konzessionsabgabe an die Stadt. Im Juli 1994 beauftragte die Gaso die Stadtwerke Görlitz mit der kaufmännischen Betriebsführung.

Bis zur Übernahme der Gasversorgung im Jahr 1994 durch die Stadtwerke wechselte der Name des Betriebes mehrfach.

Zwischen Grünem Graben und Schützengasse (Zittauer Straße) erfolgte am 16. Dezember 1994 die Inbetriebnahme einer neuen Mitteldruckleitung. Am 1. Januar 1995 übernahmen die Mitarbeiter der Gasversorgung Görlitz GmbH die technische Betriebsführung.

Die Haupterdgasleitung Nieskyer Straße wurde am 13. Juni 1995 umverlegt.

Am 10. August 1995 erfolgte der Anschluss des Ortsteils Klingewalde und am 30. Juli 1996 der Gemeinde Ludwigsdorf, ans Görlitzer Gasnetz.

Ein Konzessionsvertrag zwischen GVG und der Gemeinde Neißeaue/Zodel wurde am 3. September 1996 unterzeichnet. Auch der Anschluss der Gemeinde Girbigsdorf sowie der Ortsteile Hagenwerder/Tauchitz ans Görlitzer Gasnetz folgte in den Jahren 1996 und 1997.

Die Übernahmestation in Zodel wurde am 29. August 1997 in Betrieb genommen.

Im September 1997 entzündete man symbolisch in Hagenwerder eine Erdgasfackel, da sich auch dieser Stadtteil ans Görlitzer Erdgasnetz anschloss.

Am 12. Februar 1998 unterzeichnete man einen Konzessionsvertrag mit Leuba.

In den Jahren von 1996 bis 1998 erfolgte eine Rekonstruktion des GVG-Betriebsgebäudes Grüner Graben 14. Dabei wurden 1996 die Fenster, 1997 das Dach und 1998 die gesamte Außenfassade erneuert.

Im Jahr 1992 wurde vorsorglich mit Gasspürgeräten das gesamte Leitungsnetz auf eventuelle Undichtheiten überprüft. Das Ergebnis gab Veranlassung ein „Sofortprogramm“ zu verabschieden. Da auf ein Kilometer Rohrlänge 8,8 Undichtheiten, überwiegend an den Gussleitungen, auftraten. Das Ziel bestand darin, das gesamte Gussrohrnetz im Versorgungsgebiet auszuwechseln. Insgesamt wurden 50 Kilometer Gasleitung ausgewechselt und saniert.

So konnte das Gussrohrprogramm im Jahr 2002 vorzeitig beendet werden.

Die Störungsquote konnte, auf 0,23 Störungen pro Kilometer Gasnetz gesenkt werden und lag somit unterhalb des bundesdeutschen Durchschnitts.

In den Jahren von 1995 bis 2000 erweiterte sich das Görlitzer Gasnetz jährlich um etwa 7500 Meter Leitung. Fast ebensoviel alte Gasleitungen wurden jährlich erneuert.

Im Jahr 2001 investierte man in die technischen Anlagen der Gesellschaft in Form von Erneuerungen, Sanierungen und Erweiterungen des Verteilungsnetzes ca. 1,5 Mio. Euro. Eines der gegenwärtigen Hauptziele ist die Ablösung von Kohle- und Ölheizungen auf Gas.

Neue Orte für eine Neuerschließung mit Gasversorgungsnetzen sind in unserer Region unter den heutigen Gesichtspunkten nicht mehr vorhanden. Es gilt, verstärkt Kunden an berohrten Straßenzügen als Gaskunden zu gewinnen.