Die Geschichte der Wasserversorgung von Görlitz
Die Stadt Görlitz erhebt sich am linken Ufer der Lausitzer Neiße, liegt 210 m über dem Meeresspiegel und erstreckt sich nach Westen bis zur Landeskrone, einem 420 m hohen Basalthügel.
Görlitz liegt am Nordostrand des Granit-Massives des Oberlausitzer Berglandes in einem Gebiet mit fruchtbarem Lößlehmboden.
Lage und Ausdehnung der Bebauung und die Grünflächen werden durch das teilweise stark bewegte Gelände-Relief entscheidend mitbestimmt.
Das Neiße-Tal und die von ihm rechtwinklig nach Westen verlaufenden Seitentäler gliedern das Stadtgebiet.

1071 ist das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung von Görlitz. Das Vorhandensein von Quellen hat bei der Gründung des damaligen Dorfes Gorelic mit Sicherheit eine wichtige Rolle gespielt.
Zur Zeit der Stadtentstehung, zu Beginn des 13. Jahrhunderts, waren die Brunnen und Quellen in den Vorstädten die Grundlage für die Versorgung der Stadt mit Wasser.
1414 tauchte erstmals in der Stadtchronik das Vorhandensein einer Wasserleitung auf. Sie war aus Holz und musste oft repariert werden.
1477 sollten Meister aus Brünn Wasser aus der Neiße durch kupferne Rohre auf den Kirchberg pumpen. Der Versuch misslang.
1723 wurde mit einer sieben-jährigen sanierung aller Holzwasserleitungen begonnen. Dabei hielten die Geschichtsschreiber Lage und Verlauf der Leitungen fest: 18 Brunnen (Quellen) und 3 Teiche speisten 8 Leitungen, 41 Straßen wurden damit innerhalb der Stadtmauer versorgt. Zudem hatten 104 Brauhöfe und Privathäuser wohlhabender Bürger sowie 65 Handwerksfirmen noch Brunnen, die aus den Wasserleitungen gespeist wurden.
1739 wird der Bau einer Wasserleitung in der Neißevorstadt erwähnt.
1830 erfolgte wieder eine gründliche Instandsetzung des Leitungssystems. Diesmal wurde über 17 Leitungen, die aus 24 Quellbrunnen gespeist wurden, unterstützt von 39 Rohrbütten und 20 Pumpbrunnen berichtet. Erstmals werden Holzrohre durch gusseiserne Leitungen ersetzt.
1878 schließlich baut man ein zentrales Wasserhebewerk für die Stadt und neue Wasserleitungen in den Leschwitzer Wiesen.

1890 wird die zentrale öffentliche Wasserversorgung in Betrieb genommen.
Die Wassergewinnung erfolgt im Wasserhebewerk Leschwitz mit zwei Heberleitungen und 4 Schachtbrunnen. Zur Sicherung der hygienischen Unbedenklichkeit wurde das Wasser mit Chlorgas desinfiziert. Die Wasserverteilung erfolgt über zwei Versorgungsleitungen DN 400 und DN 500, die in den Erdbehälter und auf den Wasserturm auf der Pomologischen Gartenstraße förderten. Versorgt wurde über diese System die Altstadt und die Innenstadt.
Von 1910 bis 1913 wird ein komplett neues Be- und Entwässerungssystem gebaut.
1926 wurde das Versorgungsgebiet um den Ortsteil Rauschwalde erweitert, zur Sicherstellung der Wassermenge wurde der Trinkwasserhochbehälter mit 4000 m³ Speichervolumen am Standort Pomologische Gartenstraße errichtet, der Erdbehälter wurde außer Betrieb genommen.
Das Druckwerk an der Reichenbacher Straße wurde in Betrieb genommen.

1954 erschloss man den Ortsteil Biesnitz, die eigene Wassergewinnung wurde durch die zentrale Wasserversorgung abgelöst.
1963 bis 1968 wurde mit der Errichtung des Neubaugebiets in Rauschwalde der Trinkwasserbehälter 8000 m³ gebaut und das Druckwerk Biesnitzer Straße in Betrieb genommen.
1976 wurde das Versorgungsgebiet um den Ortsteil Königshufen erweitert, die Versorgung erfolgte über das Druckwerk an der Zeppelinstraße.
Ein weiterer wesentlicher Abschnitt der Entwicklung der öffentlichen Wasserversorgung gestaltete sich mit der Sicherung der Wasserversorgung für das Neubaugebiet Königshufen.
Von 1979 bis 1985 wurde eine Wasseraufbereitungsanlage im Wasserwerk gebaut und erstmals wurde das Wasser aufbereitet. Dabei erfolgte eine Belüftung des Grundwassers (physikalische Entsäuerung) und eine Filtration über offene Kiesfilter (Abbau von Eisen, Mangan und Trübstoffen).
Die Desinfektion des Wassers erfolgte weiterhin mit Chlorgas, nun mit modernen Dosieranlagen.
Da die erforderlichen Wassermengen nicht durch das städtische Versorgungsnetz zum Neubaugebiet gefördert werden konnten, wurde eine Ringleitung DN 600 Stahl um die Landeskrone verlegt, am Hochpunkt ist eine Behältergruppe mit 3 Behältern zu je 5000 m³ errichtet worden.
Hier können die erforderlichen Trinkwassermengen für Notsituationen gespeichert werden.
Dieses Ringsystem mit den Behältern an der Landeskrone war konzipiert, die Umlandgemeinden an die öffentliche zentrale Trinkwasserversorgung anzuschließen.
1991 – 1993 wurden die Gemeinden Kunnerwitz, Pfaffendorf, Markersdorf, Schlauroth, Königshain, Kunnersdorf und Ludwigsdorf zentral vom Wasserwerk Görlitz versorgt.
Seit 1993 erfolgte eine Modernisierung der Aufbereitungsverfahren:
- 1993: Umstellung von Chlorgas- auf eine Chlordioxid- Desinfektion
- 1995: Inbetriebnahme einer Natronlaugen-Dosieranlage zur chemischen Restentsäuerung
- 1996: Modernisierung der Belüftung (INKA-Belüftungsanlage auf AQUADOSIL-Anlage)
- 1996: Inbetriebnahme eines zentralen Leitsystems (IDS)
- 1998 – 1999: Automatisierung der Filtrationsprozesse
1999 wurde mit der Gemeinde Schöpstal eine Betreibervertrag abgeschlossen, die Versorgung der Gemeindeteile Kunnersdorf, Ebersbach und Girbigsdorf erfolgt über das Versorgungssystem des Wasserwerk Görlitz.
In den Jahren 1998- 2000 wurden Gemeinden des Umlands in die Stadt eingemeindet (Schlauroth, Hagenwerder/Tauchitz, Ludwigsdorf, Kunnerwitz).
Mit der Erweiterung des Aufgabengebietes durch Übernahme der Betriebsführung der Trinkwasserversorgung für den Zweckverband Wasserversorgung Ostritz/Reichenbach war es möglich, 2005 die Druckerhöhungsanlage in Hagenwerder zu errichten und das Trinkwasser aus dem Wasserwerk Görlitz in das Versorgungssystem des Hochbehälter Leuba zu speisen.

